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Cem Gülay las im Cultra
18.09.2011

SPD-Ortsverein freut sich über gelungene Veranstaltung mit Cem Gülay, der aus seiner 2009 erschienenen Autobiografie "Türken-Sam" las.


podium_webCem Gülay, Jahrgang 1970 und Sohn türkischer Einwanderer. Er spricht Deutsch mit Akzent - mit dem seiner Heimatstadt Hamburg. Er machte Abitur, besuchte in den USA ein Jahr die High-School. Nach seiner Rückkehr wollte er Jura studieren. Gülay hätte das Musterbeispiel einer gelungen Integration werden können. Doch es kam alles ganz anders. Anstatt Anwalt zu werden, entschied sich Cem Gülay für eine Karriere als Gangster in der Hamburger Unterwelt. Wie es zu dem Bruch kam, was für ein rauschartiges Leben er geführt hat und wie ihm schließlich der Ausstieg aus dem Milieu gelang, schildert Gülay in seinem Buch „Türken-Sam. Eine deutsche Gangstergeschichte“. Auf Einladung der Brühler SPD las er daraus und stellte sich der Diskussion mit den rund 50 Zuhörern, die Hälfte davon Jugendliche.

Gülay berichtet vom Alltagsrassismus, dem er begegnet ist. Er „wollte immer dazu gehören“, war er für alle immer nur „der Türke“. Er durfte nicht Schulsprecher werden, weil es der Direktor nicht wollte. Bei der Verleihung der Abiturzeugnisse sagte ihm ein Mitschüler, „sein Abitur wäre nichts mehr wert, wenn es auch ein Türke machen könne“. Er schildert, wie das eigentlich bürgerliche Viertel in dem wohnt, zum Schauplatz für Auseinandersetzungen von Skinheads und Türkengangs wurde. 

Bereits Anfang der 80er Jahre herrschen dort zustände, wie wir sie heute aus den Großstadt-Ghettos kennen: „Es wurde gedealt, geraubt, geklaut und sogar vergewaltigt“. Auch die Verhältnisse zu Hause legt er schonungslos offen. Die Familie lebte in „kalkulierter Armut“, immer in der Angst, dass die Zeit der Gastarbeiter in Deutschland vorbei sein und man abgeschoben werden könnte. Der Vater, der sich als Tyrann aufführt und die Mutter misshandelt und als „Hure“ bezeichnet. Als die Situation zu Hause eskaliert, verlässt Cem Gülay die Familie und schließt sich seinem Gangster-Onkel an. Doch er benutzt diese Erlebnisse nicht als Ausrede. Er weiß, dass er sich hätte für einen anderen Weg entscheiden können. Er verherrlicht sein Gangsterleben nicht und weiß, dass er viele Menschen um ihr Geld gebracht und viele andere ins Krankenhaus geprügelt hat. Heute widmet er sich der Integration.

Cem Gülay mahnt Politik und Gesellschaft zu mehr Einsatz auf diesem Gebiet, es brauche echte Chancengleichheit. Er redet Klartext und fordert, dass alle Schulen geschlossen werden, die einen Anteil von mehr als 50% Schüler mit Migrationshintergrund haben. Sie förderten Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit, entließen ihre Schüler ohne Ausbildungschancen und damit direkt in Hartz IV.
 Um dem Alltagsrassismus, vor allem an den Schulen, zu begegnen, brauche es härtere Anti-Diskriminierungsregeln und verweist auf seine Erfahrungen aus den USA. Dort würden Schüler für rassistische Äußerungen der Schule verwiesen.

Drastisch schildert Gülay, was Deutschland drohe, wenn es nicht von seiner verfehlten Integrationspolitik abrücke: ausgegrenzte und perspektivlose Migranten zögen randalierend durch deutsche Innenstädte und setzten diese in Brand. Beispiele für dieses Horrorszenarium gäbe es bereits in den französischen Banlieues oder London.

Auch wenn nicht alle Zuhörer seinen Thesen und Schilderungen folgen mochten, die Mahnung aus Gülays Buch hat alle erreicht und betroffen gemacht: „Wenn es die deutsche Gesellschaft nicht schafft, Menschen wie mich zu integrieren, wen dann?“. (Kl/We)